Die Bürgschaft

 
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Im Sommernachtstraum / Die Bürgschaft
Ein Jugend-Roman und ein Theaterstück

ISBN 978-3-940445-80-3
210 Seiten, Taschenbuch, EUR 11,80

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Im Sommernachtstraum
Eine zauberhafte Generalprobe


Eine Gruppe von Jugendlichen probt das Theaterstück
von William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum.
Plötzlich erscheinen unerwartete Zuschauer: Puck, Elfen
und ihr Elfenkönig. Sie kommen aus einer anderen Welt.
Welche Botschaft bringen sie? Wieso tauchen sie auf?
Haben die Schauspieler zu intensiv geübt? Oder sind sie zur
wahren Bedeutung des Sommernachtstraums vorgedrungen?
Und sollte man sich lieber nicht in Puck, die Elfen
oder die Amazonen-Königin verlieben?


Die Bürgschaft
Schillers Ballade als Bühnenstück


Damons Attentat auf den Tyrannen-König Dionysios
misslingt. Damon wird zum Tod am Kreuz verurteilt.
Er bittet sich eine Frist aus, in der er seine Schwester Hera
verheiraten möchte. Als Bürgen für seine Rückkehr bietet
er seinen Freund Phintias an. Dionysios ist einverstanden.
Damon kehrt rechtzeitig zurück; doch er muss vorher
äußere und innere Widerstände überwinden.
Die Gespräche mit dem Gott Apollon helfen ihm dabei.

Die Bürgschaft. Hörprobe zum Mitlesen

Die Bürgschaft. Leseprobe

AKT I

        SZENE 1

Damon sitzt auf einer Bank vor seinem Haus. Er
betrachtet den Sonnenaufgang. Seine Schwester Hera
setzt sich zu ihm.

HERA
        Du solltest das nicht tun. König Dionysios wäre
        auch meiner Meinung.

DAMON
        Der hat Attentate genug überlebt. Ein Attentat mehr
        oder weniger macht ihm nichts aus. — Den schützen
        die Götter. Sind Götter nicht gleichfalls Tyrannen?
        Sie bestimmen unser Leben nach ihrem Gutdünken. Sie
        lachen über uns, das schwache Menschengeschlecht.
        Wenn sie uns einmal einladen an ihre Tafel — das
        endet nur übel für uns. Ihre rachsüchtigen
        Gedanken verfolgen uns noch Generationen später. Sie
        kennen keine Vergebung und achten uns nicht.

HERA
        Du bist verbittert, das ist kein guter Start, um einen
        Mord zu begehen. Sieh den schönen Sonnenaufgang
        über Syrakus. Wir sind eine bevorzugte Stadt; die
        schönste auf Sizilien und wohl auch in der gesamten
        griechischen Welt. Karthago mag prächtiger sein.

Hamilkar hat Wasser geholt vom Brunnen und bleibt
bei ihnen stehen.

HAMILKAR
        Karthago ist weitaus prächtiger. Aber vielleicht
        erscheint es mir auch nur so, weil ich Karthago als
        freier Mann erlebt habe. Syrakus kenne ich nur als
        Sklave.

DAMON
        Setze dich zu uns, Hamilkar. Du hast mehr von der Welt
        gesehen als ich. Was sagt ein weitgereister Mann zu
        meinem Vorhaben? Billigst du es?

Hamilkar setzt sich auch auf die Bank.

HAMILKAR
        Du bist ein seltsamer Mann, Damon. Deine Sklaven
        behandelst du mit Hochachtung. Doch deinen Herrscher
        willst du erdolchen.

HERA
        Ich will in zwei Tagen heiraten. Wer bringt mich zu
        meinem Bräutigam? Ich habe nur dich, Damon. Die Reise
        ist beschwerlich; Räuber lauern mir auf. Soll ich
        Räuberbanden alleine besiegen, nur weil du damit
        beschäftigt bist, König Dionysios zu erdolchen?

DAMON
        Ich überlege noch, ob erdolchen angebracht ist.
        Vielleicht wäre vergiften ratsamer. Hat aber etwas
        Hinterhältiges. Meine Tat soll Befreiung bewirken,
        die Demokratie wieder zum Leben erwecken in Syrakus.

HERA
        Was ist mit meiner Hochzeit?

DAMON
        Das Schicksal von einer Million Menschen steht auf dem
        Spiel hier in Syrakus

HERA
        Dann erdolch Dionysios doch später.

DAMON
        Er wechselt gerade viele Männer in seiner Leibwache
        aus. Die Gelegenheit ist günstig. Ich werde mich
        verkleiden als Leibwächter. Keinem wird es auffallen.
        So komme ich unbemerkt an ihn heran. Tausend
        Leibwächter hat er. Er ist eine uneinnehmbare Burg.
        Die Zugbrücke ist heruntergelassen für kurze Zeit:
        ich marschiere hindurch gut getarnt, unerkannt. Denke
        an das trojanische Pferd. Das brachte den Sieg.

HAMILKAR
        Wie will das trojanische Pferd wieder hinauskommen? Sie
        werden es in Stücke hauen. Ich kenne mich mit Pferden
        aus. Ich könnte das Pferd beschützen.

Damon steht auf und legt seine Hand auf Hamilkars
Schulter.

DAMON
        Zwei neue Leibwächter fallen eher auf als einer.
        Überraschung und Verkleidung — das sind meine
        Vorteile.

HERA
        Meine Hochzeit ist mir egal. Aber du bist mir nicht
        egal. Du sollst leben. Wir haben unsere Eltern früh
        verloren. Du bist mein einziger Bruder — alles was
        ich habe. Opfere dein Leben nicht für einen Tyrannen.
        Die Götter heißen es nicht gut. Du sagst selbst,
        sie beschützen Dionysios. Stehen ihm bei. Behüten
        und bewachen ihn. Der mutigste Held hat keine Chance
        gegen die Götter. Sprich mit Apollon. Gehe in seinen
        Tempel und höre, was er dir rät.

Damon geht hin und her.

DAMON
        Ich will mit Apollon sprechen. Mag sein, ich bin im
        Irrtum. Ist es klug, was die Götter sich ausdenken
        und planen? Irren Götter niemals? Doch wessen Vorteil
        erstreben sie dabei? Gleichgestellt sind wir ihnen
        nicht. Beachten sie unsere Interessen in irgendeiner
        Art? Oder sind sie gleichgültig wie der Wind, der
        über ein Schlachtfeld weht nach beendeter Schlacht.
        Den Wind rührt nicht das Stöhnen der Verletzten.
        Ihr Schmerz ist nicht der seinige.

Hera umarmt Damon.

HERA
        Ich bin nicht das Orakel von Delphi. Ich kenne nicht
        die Zukunft. Aber du selber gestaltest die Zukunft
        durch deine Taten und auch durch deine Gedanken. Lasse
        Apollon dir in deinen Gedanken Bilder zeigen von dem,
        was die Götter wünschen. Berücksichtige es, wenn
        du handelst.

        SZENE 2

Damon kniet im Apollontempel vor der großen
Statue des Apollon. Damon ist alleine im Tempel.

DAMON
        Ich lege kein Opfertier auf deinen Altar. Ich bin
        Pythagoreer musst du wissen. Die Tiere sind unsere
        Freunde. Wir opfern sie nicht, um den Kontakt
        herzustellen zu euch Göttern. In Freundschaft wären
        wir auch gerne verbunden mit euch, ihr allmächtigen
        Götter. Doch Harmonie in dieser Welt — wo ist sie?
        Ist sie so weit verloren gegangen, dass niemand sie
        mehr wiederfinden kann? Sollten wir Herkules
        beauftragen mit dieser Aufgabe? Ich glaube, das wäre
        selbst für ihn nicht zu schaffen. Ein paar Äpfel
        klauen aus den Gärten der Hesperiden. Die Welt für
        eine Zeitlang tragen anstelle von Atlas — das sind
        Kleinigkeiten. Doch die Harmonie und die Freundschaft
        in diese Welt zu bringen — sieh dich um, Apollon:
        Kriege, wir versklaven einander; schaden uns, so gut
        wir nur können. Pythagoras war ein Träumer. Aber
        ich brauche seinen Traum. Ich brauche Hoffnung, dass es
        anders sein kann, dass wir Menschen fähig sind zu
        lieben. Nicht nur eine oder zwei Personen, sondern die
        Welt als Ganzes. Ihre Schönheit erkennen; und ihre
        Würde nicht verletzen jeden Tag aufs Neue — durch
        Feindseligkeit gegen uns selbst und gegen unsere
        Mitmenschen. Hier rede ich von Freundschaft — und
        plane meinen König zu ermorden. Dich frage ich gar um
        Rat. Wie könntest du das gutheißen.

Eine Stimme ertönt aus der Richtung der
Apollonstatue.

APOLLON
        Du bist frei. Ich nehme dir die Entscheidung nicht ab.
        Du wirst gerichtet werden für sämtliche deiner
        Taten. Verteidige dich, habe Beweggründe — mag sein,
        die ewigen Richter sehen dich im Recht. Doch opfere
        nicht das Kleine für das Große. Ein großes,
        hehres Ziel rechtfertigt nicht das Unrecht, was du
        dafür begehst. Nicht dadurch bist du gerechtfertigt.
        Denn jegliches Unrecht wäre damit gut. Ein höheres
        Ziel gibt es immer, ist immer denkbar.

Damon ist aufgesprungen und sieht zu der
Apollonstatue empor.

DAMON
        Du sprichst mit mir! Du würdigst mich einer Antwort.

APOLLON
        Vielleicht antwortest du dir selbst? Hörst deine
        Stimme als die meinige. Wie willst du wissen, dass ein
        Gott zu dir spricht? — Nun denn, so höre, was ich
        dir zu sagen habe, wer auch immer ich sei. Deine Tat
        wird etwas verändern. Doch wirst du nicht vollenden
        können, was du dir vorgenommen hast.


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